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PRP – Eigenbluttherapie

Bereits seit dem 19. Jahrhundert wird die Eigenblutbehandlung zur Therapie verschiedenster Krankheiten und Verletzungen eingesetzt. Ende des 20. Jahrhunderts wurde erstmals plättchenreiches Plasma (PRP) aus zentrifugiertem Eigenblut gewonnen. Auch in der modernen studienbasierten Medizin hat sich die Eigenbluttherapie etabliert und wird erfolgreich in der Therapie degenerativer Gelenk- und Muskel-Sehnenerkrankungen, sowie in der Sportmedizin eingesetzt. Vor allem bei Knorpelschäden und Arthrose, Sehnenverletzungen oder Bandverletzungen, Muskelzerrungen und Entzündungen verschiedener Weichteilgewebe, z. B. Schleimbeutel (Bursitis) oder Sehnenscheidenentzündung (Tendinitis) hat sich die Methode in der bewährt.

Bei Eigenbluttherapien wird dem Patienten eine kleine Menge des eigenen Blutes aus der Armvene entnommen, aufbereitet und konzentriert in das erkrankte Gelenk oder eine entzündete Sehne injiziert. Die PRP-Therapie, bei welcher vor allem die Blutplättchen verarbeitet werden, ist eine spezifische Form der Eigenbluttherapie.

Was ist die Rolle des Blutplasmas?

Als Blutplasma bezeichnet man den flüssigen Anteil des Blutes. Seine Aufgabe ist der Transport der Blutzellen und Nährstoffe durch das Gefäßsystem. Neben dem Blutplasma besteht das Blut aus zellulären Bestandteilen.

Was ist plättchenreiches Plasma (PRP)?

Plättchenreiches Plasma (PRP) ist ein aus dem Patientenblut gewonnenes Thrombozytenkonzentrat. Es besteht aus Blutplasma, aus dem rote und weiße Blutkörperchen herausgefiltert wurden.

Für die Herstellung des körpereigenen plättchenreichen Plasmas entnimmt man dem Patienten etwa 10 bis 60 ml Blut aus dem Arm. Das Blut wird dann zentrifugiert, um das Plasma von den zellulären Bestandteilen abzutrennen. In einem weiteren mehrphasigen Prozess wird das Blutplasma mit den körpereigenen Blutplättchen (Thrombozyten) angereichert. Auf diese Weise erreicht man eine drei- bis sechsmal höhere Konzentration der für die Wundheilung wichtigen Thrombozyten. Das plättchenreiche Plasma (engl: “platelet rich plasma”, kurz: PRP) unterstützt lokal, also dort wo man es wieder in den Körper injiziert, körpereigene Heilungsprozesse und trägt zur Regeneration von Gewebe (z. B. Knorpel) bei. Der genaue Wirkmechanismus der Therapiemethode ist allerdings bislang nicht geklärt. Man vermutet, dass die im Blutplasma angereicherten Botenstoffe, bzw. Wirkstoffe (z.B. sog. Interleukine, Thrombozyten) den Heilungsprozess im entzündeten Gewebe (Sehnen, Knorpel) anregen und fördern. Es ist bekannt, dass die Thrombozyten die Bildung von Bindegwebe stimulieren, Entzündungen hemmen und über mehrere biochemische Wirkketten gleichzeitig eine potentiell knorpelschützende Wirkung entfalten oder die Bildung von Regeneratknorpel bewirken können.

Da die Zusammensetzung dieser Wirkstoffe des Blutes und das innere Milieu von Patient zu Patient variiert, kann es zu unterschiedlichen Ergebnissen nach der Behandlung mit autologem plättchenreichem Plasma kommen. Nebenwirkungen wie Immunabwehr oder Allergien können nicht hervorgerufen werden, da es sich um eine körpereigene Substanz des Patienten handelt.

Die Behandlungskosten für die Therapie mit PRP werden von einigen privaten Krankenkassen übernommen. Die gesetzlichen Kassen zahlen die Behandlung bislang nicht.

Anwendungsgebiete der Eigenbluttherapie mit PRP

Die Therapie mit PRP kommt bei folgenden Erkrankungen des Bewegungsapparates zum Einsatz:

  • Arthrose (Gelenkverschleiß) und Arthritis (Gelenkentzündung)
  • Entzündung von Weichteilgewebe (z. B. Sehnenscheidenentzündung)
  • Muskelzerrungen und Muskelfaserrisse
  • Bänderrisse und -teilrisse
  • Sehnenentzündungen (z. B. Achillodynie)
  • Bandscheibenvorfall
  • Verletzung der Rotatorenmanschette
  • Unterstützung der Wundheilung vor oder nach Operationen

In der Orthopädie verwendet man das körpereigene Thrombozytenkonzentrat vor allem zur Behandlung von Knorpelschäden, Sehnenentzündungen oder Sportverletzungen. Indikationen sind unter anderem Arthrosen in Knie, Fuß oder Sprunggelenk sowie Reizsyndrome und Risse von Sehnen wie der Achillessehne. Auch bei Verletzung von Muskeln und Bändern (z. B. Außenband oder Innenband oder Rotatorenmanschette) kann die Eigenbluttherapie mit PRP die Heilung und Regeneration unterstützen.

PRP zur Eigenblut-Behandlung von Arthrose

Bei der Arthrose,  also dem Verschleiß des Gelenkknorpels kommt es zu zunehmenden Knorpelabrieb. Die puffernde und schützende Funktion des Knorpels geht verloren. Bei der Arthrose reiben dann die knöchernen Gelenkpartner zunehmend aneinander. Es kommt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des betroffenen Gelenks. Die am häufigsten betroffenen Gelenke sind Knie und Hüfte.

Alternativen zur Eigenbluttherapie bei Arthrose

Zur konservativen Behandlung der Arthrose werden neben Krankengymnastik und medikamentöser Therapie auch verschiedenste Hilfsmittel eingesetzt. Des Weiteren kann bei Reizzuständen auch Kortison in das Gelenk injiziert werden. Bei noch vorhandenem Knorpel kann ebenso eine Therapie mit Hyaluron versucht werden.

Wirkung und Vorteile der Eigenbluttherapie – PRP

Das PRP soll die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit des Gelenks wiederherstellen. Dafür wird das plättchenreiche Plasma aus dem Vollblut des Patienten gewonnen. Der Orthopäde spritzt das Plasma direkt in das betroffene Gelenk, wo es die Knorpelregeneration anregen soll. In der Regel sind mehrere Anwendungen der PRP-Injektion erforderlich, damit sich eine Wirkung einstellen kann.

 Studien haben gezeigt, dass die PRP-Injektion bei Kniearthrose über 12 Monate deutlich besser schmerzlindernd wirkte als eine Plazebo-Injektion mit Kochsalzlösung (Görmeli et al, 2014).

Weil die bei aktivierter Arthrose verbreitete Kortisoninjektion gewebeschädigend für das Bindegewebe sein kann, stellt die Behandlung mit PRP im Vergleich dazu einen schonenderen Ansatz dar.

In anderen Studien wurde gezeigt, dass die Injektion von PRP einer Hyaluronsäureinjektion bei Kniearthrose vergleichbare oder sogar überlegene klinische Wirkung hat.

PRP hat verschiedene nachweisbare Wirkungen auf das Knorpelgewebe (Cook et al, 2018), die gemeinsam einen knorpelschützenden und knorpelaufbauenden Effekt haben können:

  • Wachstumsfaktoren werden von den Blutplättchen ausgeschüttet: Sie stimulieren das Wachstum (Proliferation) der Knorpelzellen.
  • Gerinnungsfaktoren und Cytokine der Blutplättchen stimulieren die knorpelbildende (chondrogene) Aktivität der Knorpelzellen.
  • Gerinnungsfaktoren hemmen (inhibieren) die knorpelabbauende Wirkung von Entzündungsmediatoren.
  • Wachstumsfaktoren, die von Blutplättchen sekretiert werden, enthalten TGF-β, IGF-1, BMP, PDGF, VEGF als wichtige Faktoren zur Beschleunigung von Wachstum und Ausdifferenzierung von Knorpelzellen sowie zur Wiederherstellung der Nährstoffzufuhr zu den damit behandelten Geweben.
  • Bildung von Typ II Kollagen als wichtiger Bestandteil des Knorpelgewebes wird gefördert.
  • Entzündungen bei entzündlich aktivierter Arthrose wird beendet.
  • Förderung der Bildung des in der Gelenkflüssigkeit reichlich vorhandenen knorpelstabilisierenden Proteins Lubricin (Proteoglykan 4).

Behandlung von Sportverletzungen und Sehnenentzündungen mit plättchenreichem Plasma (PRP)

Vor allem bei Kontaktsportarten kommt es häufig zu Verletzungen an Muskeln, Knorpeln, Sehnen oder Bändern. Aber auch Überlastung oder Fehlbelastung zu Verletzungen führen. Hier sind vor allem Sehnenreizungen oder Entzündungen von Weichteilen wie Schleimbeuteln oder Sehnenscheiden zu nennen.

Autologes plättchenreiches Plasma bietet bei der Therapie von Sportverletzungen eine Alternative und Ergänzung zu herkömmlichen Behandlungsmethoden. Die Injektion des körpereigenen Thrombozytenkonzentrats wirkt entzündungshemmend und lindert Schmerzen. Durch die enthaltenen Wachstumsfaktoren werden Regenerationsprozesse des geschädigten Gewebes unterstützt.

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